Warum Matratzen und Kissen mit der Zeit gelb werden
Wer nach einigen Jahren den Bezug abzieht, sieht oft ein unangenehmes Bild: Der Schaumkern hat eine gelbliche bis bräunliche Färbung angenommen, besonders dort, wo Schulter, Nacken und Hüfte aufliegen. Das ist kein Zeichen mangelnder Hygiene, sondern ein normaler Alterungsprozess, der sich chemisch erklären lässt. Die Verfärbung entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die täglich auf das Material einwirken – und sie verrät einiges über die Bedingungen im Schlafzimmer.
Die Hauptursache liegt im körpereigenen Fett und in der Wärme, die jede Nacht abgegeben werden. Über die Haut gelangen Talg und Schweiß in den Stoff, und bei Temperaturen um die 37 Grad beschleunigen sich Oxidationsprozesse im Polyurethan. Vergilbte Stellen entstehen durch Hautfett und Wärme, die tief in die offenen Poren des Schaums eindringen und dort mit Sauerstoff reagieren. Hinzu kommt Feuchtigkeit: Ein erwachsener Mensch verliert pro Nacht etwa einen halben Liter Wasser über die Haut, das teilweise im Kern verbleibt. Auch UV-Licht, das durchs Fenster fällt, und Reinigungsmittel mit Bleiche können den Effekt verstärken.
Interessant ist, was die Verfärbung über die Schlafumgebung aussagt. Starke Gelbfärbung deutet auf eine hohe Luftfeuchtigkeit hin, oft verbunden mit unzureichender Lüftung. Wer morgens mit feuchtem Gefühl aufwacht oder Schimmel an der Wand entdeckt, sollte nicht nur die Matratze prüfen. Auch die Raumtemperatur spielt eine Rolle: Je wärmer es ist, desto schneller arbeiten die Oxidationsprozesse. Ein kühleres Schlafzimmer mit 16 bis 18 Grad und regelmäßigem Stoßlüften verlangsamt die Alterung merklich. Zudem sammeln sich in älteren Matratzen Hausstaubmilben, deren Ausscheidungen ebenfalls zu Verfärbungen beitragen können.
Ganz verhindern lässt sich das Vergilben nicht, aber hinauszögern. Ein Matratzenschoner aus Baumwolle nimmt einen Großteil des Schweißes auf und lässt sich bei 60 Grad waschen. Alle drei Monate sollte die Matratze gewendet und kopfüber gedreht werden, damit sich die Belastung gleichmäßig verteilt. Wer stark schwitzt, profitiert von einer Unterlage mit Luftkanälen. Irgendwann jedoch ist der Punkt erreicht, an dem der Schaum seine Elastizität verliert und die Verfärbung nicht mehr nur kosmetisch ist. Spätestens nach acht bis zehn Jahren sollte eine neue Matratze her – nicht wegen der Farbe, sondern wegen der nachlassenden Stützfunktion.